Prominenter Gast: Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales, folgte am Freitagabend einer Einladung der Wirtschaftsvereinigung Gifhorn (WVGF) zu einer Diskussionsrunde.

 

WVGF im Dialog

WVGF-Vorstandsmitglied Lutz Kadereit übernahm anstelle des nach einer Zahn-OP gehandicapten Vorsitzenden Thomas Fast die Begrüßung des seit März 2018 amtierenden sozialdemokratischen Ministers und verwies sogleich auf ein „Jubiläum“ – „Herr Heil, Sie sind heute genau 500 Tagen im Amt“ – und kündigte Fragen an, die den Vertretern der lokalen Wirtschaft „auf den Nägeln brennen“.

Netzwerkpartner dabei

Im zweiten Stock des Volksbank-BraWo-Gebäudes in der Gifhorner Innenstadt hatten sich gut 30 Interessierte versammelt, neben WVGF-Mitgliedern auch Vertreter von „Netzwerkpartnern“ wie dem Industrieverein Peine, der Wirtschaftsvereinigung Salzgitter oder dem Bundesverband Mittelständische Wirtschaft. Moderiert wurde die rund 90-minütige Veranstaltung von WVGF-Mitglied Bastian Till Nowak, der dem Minister zuvörderst das Thema „Fachkräftemangel“ servierte.

Wandel der Arbeitswelt

Heil gelangte zum Punkt über einen aktuellen Diskurs zur Arbeitsmarktsituation – trotz „regionaler Unwuchten“ und einer „zu hohen Anzahl von Langzeitarbeitslosen“ sei er „ein glücklicher Arbeitsminister, wenn ich einmal im Monat die guten Zahlen zum Arbeitsmarkt lese“, dank ungewöhnlich lange anhaltender guter Konjunktur und „einer starken industriellen Basis in Deutschland“ – sowie dem tiefgreifenden Wandel der Arbeitswelt durch digitale Technik und künstliche Intelligenz: Der Staat könne das Problem des Fachkräftemangels, das eindeutig eine „Wachstumsbremse“ darstelle, nicht allein lösen.

„Alle Potentiale nutzen“

„Wir müssen alle Potentiale nutzen“, so Heil: Umschulungen anbieten, Berufsorientierung an die Schulen bringen, Frauenerwerbsbeteiligung stärken, qualitative Zuwanderung fördern und „pragmatisch“ handeln, gesetzliche Vorgaben ändern und zugleich gesellschaftlichen Misständen abhelfen. Zum Beispiel bei Geflüchteten durch die „3plus2-Regelung“ und „Beschäftigungsduldung. (…)wir dürfen nicht die Falschen abschieben“. Laut Heil ist es jedoch „illusorisch“ zu glauben, man könne dem Fachkräftebedarf in Deutschland allein mit gut ausgebildeten Flüchtlingen decken.

Staat muss sich beschränken

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung ging Heil auf Fragen von WVGF-Mitgliedern ein, etwa zum Problem der „Überregulierung“ und bürokratischer Hindernisse für Unternehmer. Der Minister räumte hier Potential ein für Verbesserungen beim Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit wie beim E-Government und nannte als Positivbeispiel das „Bürokratieentlastungsgesetz“: „Wir müssen uns selbst als Staat beschränken“, so Heil.

Mehr Zuversicht

Der 47-Jährige Peiner warb beim Thema flexible Wochenarbeitszeit für das seine 100-jährige Existenz feiernde Arbeitsschutzgesetz und eine „Erneuerung der Sozialpartnerschaft“ zwischen Arbeitgebern und -nehmern als Instrument zur Bewältung des Wandels in der Arbeitswelt. Heil betonte die Wichtigkeit der Bekämpfung von „Schwarzarbeit“, lobte die, allen Unkenrufen zum Trotz, standfeste wie erneuerungsbedürftige gesetzliche Rente und wünschte sich zum Schluss „ein bisschen mehr Zuversicht in Deutschland“, das das „Zeug für eine gute Zukunft“ habe.

Quelle: AZ, Jörg Rohlfs  Aller-Zeitung

Foto: photowerk, Sebastian Preuß